Zum Inhalt springen
kubli-emv.ch Unabhängiges Online-Magazin · Ausgabe 2026/08

Elektrosmog, elektromagnetische Verträglichkeit und die elektromagnetische Umwelt — sauber recherchiert, verständlich erklärt.

Start › Broschüren & Studien

Dokumentation · Leseliste

Broschüren, Studien und Nachschlagewerke: die Leseliste

Von Martin Sutter · Fachredaktor Elektrotechnik & EMV · Stand: 17. August 2026

Vorab

Unter dieser Adresse wurden früher Broschüren per Formular bestellt. Heute ist hier ein redaktionelles Magazin zuhause — verkauft und versendet wird nichts. Statt eines Bestellformulars gibt es deshalb eine Leseliste: Publikationen, die frei im Netz zugänglich sind und die wir selbst benutzen. Alle Titel sind kostenlos abrufbar; die Links führen zu den Herausgebern.

Zum Einstieg

Wer das Thema von Null an packen will, beginnt mit zwei Texten: der Broschüre «Nichtionisierende Strahlung» des Bundesamts für Umwelt, die das schweizerische Regulierungssystem von der NISV bis zur Vorsorge erklärt, und den Merkblättern des Bundesamts für Gesundheit zu Mobilfunk und Haushaltsgeräten. Beide sind in Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar und verzichten bewusst auf Formeln. Für den Einstieg bei uns: die Grundlagen und der Überblick über die Alltagsfrequenzen.

Zum Vertiefen

  • NISV samt Wegleitung (SR 814.710) — der Massstab der Schweizer Debatte; Text und Erläuterungen gratis auf fedlex.admin.ch. Unsere Kurzfassung: Grenzwerte.
  • ICNIRP-Leitlinien 2010 (Niederfrequenz) und 2020 (Hochfrequenz) — die wissenschaftlichen Grundlagen der Schutzgrenzwerte, open access auf icnirp.org. Kostet Überwindung, belohnt mit der primären Quelle fast jeder Grenzwertzahl.
  • WHO-Fact Sheets zur EMF-Umwelt — kurze, mehrsprachige Blätter zu Quellen von Stromnetz bis 5G; ideal als Zitierfundus. Einstieg über das EMF-Projekt der WHO.
  • MONERIS-Berichte des BAFU — die periodischen Auswertungen des Schweizer Immissionsmodells zeigen, wo welche Belastungen entstehen: nach Quelle, Band und Region.
  • Krebsliga Schweiz, Fachtexte Elektrosmog — die ehrlichste Kurzfassung der Krebs-Forschungslage, inklusive Erklärung der IARC-Kategorie 2B.

Für die Praxis und das Büro

Elektroplanende finden in den Installationsvorschriften des Verbands (NIN) und den EMV-Grundnormen die Regeln für fachgerechte, feldarme Installationen — von der Trennung von Stromkreisen bis zur Abschirmung von Datenleitungen. Bauherrschaften und Vermietende wiederum profitieren von den Vollzugshilfen des BAFU, wenn Anfragen zu Anlagen in der Nähe von Wohnungen anstehen. Und für alle, die Meldungen aus der Tagespresse einordnen wollen, bleibt der Dreh- und Angelpunkt der Debatte die IARC-Monographie: Wer weiss, was «Gruppe 2B» bedeutet — und was nicht —, liest Schlagzeilen gelassen.

Für Planende und technisch Interessierte lohnen die Messnormen (EN 62233, EN 62311, EN 50492 — siehe das Quellenverzeichnis) sowie die EMV-Grundnormen der Reihe EN 61000. Wer Schlafplatz-Analysen im Stil der Baubiologie nachvollziehen will, findet in den Richtlinien der Baubiologen-Vereinigungen die gängigen Vorsorgewerte tabelliert — als privatrechtliche Empfehlung, sauber zu unterscheiden von den amtlichen Grenzwerten (Einsortierung dazu im Glossar).

Nach welchen Kriterien die Liste entsteht

Drei Regeln bestimmen die Aufnahme: Frei zugänglich — der Volltext muss ohne Bezahlschritt lesbar sein, denn eine Leseliste, die Bibliotheksbudgets voraussetzt, hilft niemandem. Amtlich oder peer-reviewt — aufgenommen werden Behördenpublikationen, Leitlinien internationaler Kommissionen und systematische Übersichtsarbeiten; einzelne Labor- oder Panelstudien nur, wenn sie die Debatte sichtbar geprägt haben und eingeordnet werden. Bleibend relevant — wir bevorzugen Texte, die auch in fünf Jahren noch zitierfähig sind, gegenüber Tagesaktualität. Was daraus folgt: Die Liste bleibt bewusst kurz. Zwölf gute Titel tragen weiter als hundert additive.

Wie man Studien liest

Elektrosmog ist ein Feld, in dem täglich Meldungen kursieren — die wenigsten davon halten der Prüfung stand. Drei simple Checks helfen: Erstens, Quelle: Steht hinter einer Meldung eine der oben genannten Stellen oder ein Review, oder ein einzelnes Preprint? Zweitens, Design: Epidemiologische Studien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen; Laborstudien mit Zellkulturen übertragen sich nicht direkt auf Menschen. Drittens, Grösse: Einzelbefunde mit grenzwertiger Signifikanz sind Hypothesen — Gewicht haben systematische Übersichtsarbeiten. Wer diese Filter anlegt, liest die Debatte gelassener — und weiss, warum wir in unseren Artikeln so vorsichtig formulieren wie wir es tun.

Hinweis

Die Leseliste wird laufend gepflegt und bei jeder Ausgabe geprüft. Vorschläge für ergänzenswerte, frei zugängliche Publikationen nimmt die Redaktion gerne entgegen — kommerzielle Angebote nehmen wir nicht auf.